Literaturverwaltung

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Aktuelles – Analysen – Austausch zu Software und Services für die persönliche Literatur- und Wissensorganisation

„Wünsch dir was“-Runde zur Literaturverwaltung auf dem 7. Bibcamp in Potsdam

Liane Haensch hat gestern in einem kurzen Beitrag in ihrem Weblog Lesewolke die Session zur Literaturverwaltung auf dem diesjährigen Bibcamp (Twitter: #bib7), welches am vergangenen Wochenende in Potsdam stattfand, zusammengefasst. Dort wurden vor allem Wünsche und Anforderungen thematisiert, die aus Sicht der Anwesenden bis dato kein einschlägiges Produkt nicht oder nicht zufriedenstellend lösen konnte.  Ich persönlich wäre gerne selbst dabei gewesen, bin aber erst später auf dem Campusgelände der FH erschienen. So kann ich nur auf Grundlage der nachträglichen Berichte und Gespräche kommentieren.

Die Erkenntnis, dass „dass die Ansprüche an eine Software sehr unterschiedlich sein können und stark vom persönlichen Arbeitsstil abhängen“, ist nicht wirklich neu und so verwundert es nicht, dass ein Wunschspektrum von ganz allgemeiner, grundsätzlicher Natur bis hin zu Detailfeatures thematisiert wurde. So sollen sich Literaturverwaltungstools etwa stärker als weitgehend unsichtbare Begleiter in den wissenschaftlichen Schreib- bzw. Arbeitsprozess integrieren lassen, aber auf der anderen Seite auch gezielte manuelle Eingriffe, etwa unterstützende Visualisierungen von Feldelementen, ermöglichen. Als eine große Herausforderung wurde die Qualität von Datenimporten bzw. vom Datenaustausch zwischen den Tools angesprochen und als einen Lösungsansatz die Anbindung zu (bibliothekarischen) Datenbanken zur Normierung / Normalisierung von Datensatzelementen ins Feld geführt.

Eine solche „Wünsch dir was“-Diskussion ist etwas heikel, tendiert diese oft dazu an dem kurz- und mittelfristig Machbaren vorbeizugehen. Man denke nur an die vielen unrealisierten Feature-Requests auf den Webplattformen der verschiedenen Anbieter. Die Entwicklungsteams müssen ganz klar Prioritäten setzen.

Ich glaube, dass ein noch zu wenig genutztes Potential besteht, dass sich Bibliotheken und Bibliothekare in der Weiterentwicklung der Tools mit ihren Dienstleistungen – insbesondere Normdateien im Kontext von (Linked) Library Open Data – einbringen bzw. eingebracht werden. Kurzum: Eine pragmatische, fachliche Kanalisierung der „Wünsch dir was-Diskussion“ hinsichtlich Wege und Möglichkeiten wie bibliothekarische Ressourcen zu welchem Zweck in die Software- bzw. Featureentwicklung Eingang finden können und sollten, ist notwendig. Die Sensibilisierung der Anbieter für die Erweiterung Ihrer Datenmodelle um beliebig wiederholbare Felder für verschiedene Persistent-Identifier unabhängig vom Dokument- bzw. Publikationstyp – bei Zotero sind DOI’s zum Beispiel nicht für jeden Typ belegbar – sowie für die Speicherung von Normsatz-ID’s wären bezugnehmend auf die Anforderung der Verbesserung des Datenimports durch erweiterte Datenbankanbindungen erste Schritte.

Matti Stöhr

Einsortiert unter:Events & Termine, Software & Tools, Theorie & Visionen, , , , , ,

5 Responses

  1. adam3smith sagt:

    Um ehrlich zu sein verstehe ich hiervon: „Die Sensibilisierung der Anbieter für die Erweiterung Ihrer Datenmodelle um beliebig wiederholbare Felder für verschiedene Persistent-Identifier unabhängig vom Dokument- bzw. Publikationstyp – bei Zotero sind DOI’s zum Beispiel nicht für jeden Typ belegbar – sowie für die Speicherung von Normsatz-ID’s wären bezugnehmend auf die Anforderung der Verbesserung des Datenimports durch erweiterte Datenbankanbindungen erste Schritte.“

    Im wesentlichen kein Wort. Also, dass Zotero keine DOIs fuer jeden Dokumenttyp hat und dass das ein Problem ist verstehe ich (aber dafür ist keinerlei Sensibilisierung nötig: das ist allen Beteiligten bewusst und schon lange geplant und verzögert sich nur weil das Zotero Datenmodel vor der Umstellung der Synchronisierungsmethode in der nächsten größeren Version keinerlei Änderungen in Feldern und Datentypen erlaubt). Aber darüber hinaus leider nur Bahnhof. Ein erster Schritt wäre also eine Sprache zu finden die den beteiligten WissenschafterInnen und EntwicklerInnen–die meisten ohne Bibliothekarsausbildung–verständlich ist😉.

    • Matti Stöhr sagt:

      Hallo und danke für deine Rückmeldung Sebastian! Sorry für meine verschwurbelte Ausdrucksweise in Schachtelsätzen. Ich versuche das schon zu reduzieren, was mir jedoch nicht immer gelingt. Die fehlenden DOI-Felder bei Zotero sollten lediglich als Beispiel dafür herhalten, dass es bei der Einbindung von Persistent-Identifiern in Literaturverwaltungstools noch hapert. Da steht Zotero natürlich nicht allein da. Das gilt besonders auch auf der Ebene der Austauschformate. Was ich vor allem ausdrücken wollte: (Bibliothekarische) Normdateien – etwa VIAF oder zentrale Datenbanken – etwa die Zeitschriftendatenbank – mit entsprechenden ID’s werden im Literaturverwaltungskontext meines Wissens noch nicht genutzt. In der weitgehend automatisierten Normalisierung von Namen von Personen, Körperschaften Zeitschriften etc. sehe ich großes Potential in der Zusammenarbeit zwischen Bibliotheken und Entwicklern, um den Korrekturaufwand an Metadatenimporten für die AnwenderIrInnen so gering wie möglich zu halten. Ich bin jedoch nicht im Bilde welche Projekte es (ggf. hinter den Kulissen) schon gibt…

      • adam3smith sagt:

        OK, ich gehe das mal durch und erzähle was ich von der Zotero Seite dazu weiß:
        1. Identifier
        Der Plan bei Zotero ist grundsätzlich mehrere Identifier (ISBN, ISSN, DOI, arXiv ID, PMID, PMCID) in einem dropdown anzubieten. Ähnlich wie bei Autoren können dann auch mehrere pro Referenz angelegt werden. Dabei geht es aber im wesentlichen um IDs die sich auch durchaus in Literaturangaben finden können.
        Über ORCID wird öfter gesprochen um das Problem mit Autorennamen und Identitäten zu lösen. Im Moment lässt da aber wohl auch die Datenlagen noch sehr zu wünschen übrig.
        Um was für andere Normdaten IDs ginge es denn?

        2. Austauschformate
        Das ist ein Krampf ohne Ende. Es gibt kein vernünftiges Datenaustauschformat zwischen Literaturverwaltungen. Zotero hat versucht Bibliontology RDF zu pushen, was an sich ein schönes Format ist. MODS wäre eine andere recht vielseitige Lösung. Stattdessen spielt sich das alles mit so lachhaften Formaten wie RIS oder bibtex ab. Ich sehe da wenig Bewegung. Von der Zotero Seite versuchen wir so ein bisschen aus Prinzip alles zu unterstützen was möglich ist, aber eine wirkliche Lösung wäre halt ein mächtiges Format auf das sich zumindest ein paar Anbieter einigen. In gewisser Hinsicht würde sich CSL JSON anbieten, weil das von allen Produkten die CSL mit citeproc-JSON nutzen ohnehin unterstützt wird, aber das ist eben gar nicht zum Datenaustausch konzipiert und hat daher eigene Probleme (Dateianhänge, Schlagwörter, Ordner/Sammlungen).

        3. Abgleich von Daten
        Da tut sich tendentiel am meisten. In Zotero ist eine Funktion über die NutzerInnen Daten automatisch neu-abrufen (und damit verbessern) können geplant. Kernstück wären hier aber natürlich offene APIs. CrossRef ist natürlich super, aber die Datenqualität auch dort schwankend (und es fehlen z.B. fast durchgehend die Abstracts). Die LoC hat ihre SRU Funktionen, soweit Bücher dort vorhanden sind ist das Super. Pubmed hat eutils, aber halt nur für indizierte Artikel.
        WorldCat hat ein API mit eingeschränkter Nützlichkeit und mäßigen Daten, aber besser als gar nichts.
        ZDB bietet auch SRU (und anderes, aber SRU ist sehr komfortabel) an, damit ließen sich also Zeitschriftendaten vereinheitlichen–die sind aber zumindest in Zotero eines der kleinsten Probleme. Was gibt es sonst?

  2. Philipp Zumstein sagt:

    Gerne würde ich hier ein paar Punkte zur Diskussion beisteuern:

    zu 1) a) Normdaten von Datensätzen
    Meist jeder Bibliothekskatalog/-verbund vergibt in einer gewissen Weise seine eigene ID und einige davon sind auch darüber hinaus bekannt, z.B. Nummer von OCLC, DNB, BL, LoC, … Erwähnenswert ist hierbei vielleicht auch das Projekt culturegraph, welches versucht diese (deutschen) IDs teilweise nachträglich zusammenzuführen, vgl. z.B. http://hub.culturegraph.org/about/BSZ-267173628/html

    zu 1) b) Normdaten von Personen
    Meist wird in deutschen Bibliotheken da natürlich an die Normdaten der GND gedacht, welche aber auch über VIAF mit den internationalen Pendants, Wikipedia und ISNI verknüpft sind, z.B. http://viaf.org/viaf/49231791/ .

    Ob solche Normdaten den Datenimport bei Literaturverwaltungsprogrammen und die Qualität dieser Daten verbessern, ist für mich nicht unmittelbar klar. Insbesondere auch da bibliothekarische Regelwerke teilweise Bücher mit mehr als 3 Autoren wie ein anonymes Werk behandeln.

    zu 2) Hier gibt es von der DINI AG KIM Empfehlungen für die RDF-Repräsentation bibliografischer Daten, vgl. https://wiki.dnb.de/pages/viewpage.action?pageId=68060017 . Die deutschen Verbünde haben dies jetzt alle (?) implementiert. @Sebastian: Vielleicht kann man einmal prüfen inwie weit dies mit den in Zotero bisher unterstützen RDF Ausführungen vereinbar ist?

    zu 3) Der GBV hat hier unter anderem eine offene SRU-Schnittstelle, vgl. http://www.gbv.de/benutzer/z39.50-zugang . Bei den anderen Verbünde habe ich dies nicht überprüft. @Sebstastian: Kann man dies in Zotero verwenden zum Abgleich von Daten? Wo gibt es da konkret etwas zu tun?

  3. […] am 1. Oktober 2014, schrieb ich anlässlich einer Nachlese zum damaligen Bibcamp im Blogpost ““Wünsch dir was”-Runde zur Literaturverwaltung auf dem 7. Bibcamp in Potsdam” unter […]

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