Literaturverwaltung

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Aktuelles – Analysen – Austausch zu Software und Services für die persönliche Literatur- und Wissensorganisation

Breit und intensiv diskutiert – das Thema Literaturverwaltung beim BibCamp 6 in Nürnberg [Teil 2]

Seit dem ersten Teil der literaturverwaltungsbezogenen Unkonferenz-Nachlese zum BibCamp 6 in Nürnberg ist bereits über eine Woche vergangen. Höchste Zeit also, den Faden aufzunehmen und den abschließenden Teil zu präsentieren. Ehe es zum Rückblick auf den zweiten Veranstaltungstag kommt, sei vor allem der inzwischen zur Session “Citavi-Schulungen” erschienene, ausführliche Bericht von Sandrad Dahlhoff (UB Lüneburg) in ihrem persönlichen Weblog „Blick Bibliothek“ hervorgehoben. Dieser geht deutlich über die im BibCamp-Wiki befindliche Sessiondokumentation hinaus. Danke dafür! Am Samstag wurde das Thema (bibliothekarische Dienstleistungen für) Literaturverwaltung sowohl  allgemeiner bzw. breiter als auch spezifischer akzentuiert.  Und zwar so:

Ausgehend und motiviert von der bereits erwähnten Runde zu Citavi-Schulungen habe ich die – nun endlich auch im Wiki dokumentierte – Sesssion „Literaturverwaltung – Services in Bibliotheken“ zum Überblick und konkreten Erfahrungsaustausch angeboten. Nach einer kleinen Umfragerunde zur derzeitigen Servicepraxis in den Institutionen der anwesenden TeilnehmerInnen bzw. zu den konkreten Wünschen zur Session, hatten die 60 Minuten – ausgehend vom Anreißen meiner im Zuge der letzten Jahre gewonnen theoretischen Einsichten und praktischen Erfahrungen – zunächst einmal Referats- bzw. Informationscharakter. Überblicksartig-typologisch stellte ich einerseits vielfältige mögliche Dienstleistungsformen vor, andererseits war das Spektrum des Softwaremarktes mit der Vorstellung und Diskussion einschlägiger Repräsentanten ein Schwerpunkt der Session. Im anschließenden Austausch kristallierte sich als Kernfrage bzw -problem heraus, ob und inwiefern Bibliotheken und deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter überhaupt Literaturverwaltung und entsprechende Software in ihrer unbestrittenen Diversität und Komplexität erschöpfend abdecken können (und wollen). Mit dem Hinweis auf und Erläuterung der Idee bzw. Konzepts der Webplattform „Literaturverwaltung & Bibliotheken“  kam zwangsläufig die Sprache auf die Einfachheit und das Potential von Kooperations- bzw. Adaptionsgsaktivitäten.  Simpelstes – noch zu selten umgesetztes – Beispiel: Die konsequente Nutzung eines eigenen, gut sichtbaren Webbereichs zum Thema auf der Institutionenwebsite  als zentraler Informationsort, an dem nicht nur campuslizensierte Produkte vorgestellt werden, sondern auch Alternativen mindestens benannt. Ein Link zu einem der zahlreichen, empfehlenswerten Softwarevergleiche – man muss ja nicht zwangsläufig einen selbst erstellen – ist zudem schnell gesetzt… Abgesehen von solchen konkreten Tipps & Tricks sind auf einer Metaebene, wie bereits angedeutet, Fragen nach der grundsätzlichen Akzeptanz und der verfügbaren Ressourcen zur Entwicklung und fortlaufend aktualisiertem Angebot von vielfältigen Literaturverwaltungsservices zentral. Im Gespräch wurden etwa die oftmals unklaren Zuständigkeiten bzw. die Unterstützung der persönlichen Literaturverwaltung als expliziter Nebenschauplatz im Tätigkeitsprofil beschriebener wie wahrgenommener Aspekt diskutiert. Dies wurde eng verbunden mit den Einflüssen, die sich in den Ansichten und Prioritäten der Leitungsebenen aber auch in Ambivalenzen im  individuellen wie kollegiumsbezogenen (Selbst-)Verständnis von Konzeption, Realisierung und Weiterentwicklung von modernen, attraktiven Informationsdienstleistungen – Tätigkeiten wie Produkte – niederschlagen. (Da sind wir etwa auch eng bei den ebenso im BibCamp eigens durchgeführten Sessions zu den Themen Wissenstransfer und Innovation, vgl. hier wieder das Session-Grid…) Auch wenn es im letzten Teil der Sessionzeit zunehmend nachdenklicher und grundsätzlicher wurde, bieten doch Literaturverwaltungsaspekte vergleichsweise eingängige und schnell mit wenigen Mitteln umsetzbare Ansätze und Ideen für die Etablierung und den Ausbau entsprechender Dienstleistungen. Das war in der Runde Konsens und nicht wenige – so mein Eindruck – gingen mit neuen Anregungen in die Pause.

Recht speziell wurde es dann unmittelbar nach der Pause in der Session „Literaturverwaltung und LaTeX“, welche spontan von Patrick Hilt (Citavi) angeboten wurde. Leider ist diese noch nicht im BibCamp-Wiki dokumentiert. Ich hoffe noch auf eine Zusammenfassung vom Moderator selbst, welcher fleißig am Flipchart mitschrieb… Patrick Hilt ist bei Citavi im Support zuständig für die Nutzung der Software mit LaTeX-Tools. So entstand etwa kürzlich ein offizieller Guide zur effektiven Nutzung von Citavi mit dem TeX-Editor LyX (auch in englischer Sprache erschienen.) Die Citavi-Ebene wurde jedoch ganz schnell verlassen. Patrick bot etwa einen Kurzüberblick zu einschlägigen Literaturverwaltungsprogrammen, die mit LaTeX zusammenarbeiten können (einschlägig hier natürlich insbesondere JabRef) sowie einen einführenden Exkurs in fachdisziplinspezifische Nutzungsmotivationen und -erfahrungen; sinngemäß wiedergegeben: es benötigt tendenziell eine masochistische Veranlagung  zum Textsatz mit LaTeX. Die Grundsruktur, div. Sonderdialekte des BibTeX-Formats und damit zusammenhängende Phänomene wie Probleme in Datenverarbeitung und -austausch wurden ebenso vorgestellt und in der Diskussion vertieft. Insgesamt habe ich die Session als eine guten, lebendigen, vor allem assoziativen Streifzug durch diverse Literaturverwaltung<->LaTeX-Aspekte in Erinnerung. Sehr konkret im Sinne einer praktischen Erprobung wurde es trotz des Angebots von Patrick einer kleinen Vorführung am Rechner nicht. Die Zeit von 45 Minuten war da auch sehr knapp bemessen. Die Sensilibisierung für das Thema  fand ich aber insbesondere aus Geisteswissenschaftlerperspektive, im Fächerkanon spielt LaTeX  eine eher untergeordnete Rolle, wichtig. Da vor allem in einführenden Schulungen doch auch immer mal wieder GeisteswissenschaftlerInnen nach LaTeX-Unterstützung fragen und tendenziell dort außerdem der fachliche Hintergrund der TeilnehmerInnen heterogen ist, sollte man als Workshopanbieter auf Nachfrage konkrete Antworten oder Hinweise auf weitergehende Informationen zu Literaturverwaltung & LaTeX parat haben …

Insgesamt habe ich mit dieser kleinen Nachlese naturgemäß ausschließlich die Sessions beleuchtet, die ich auch selbst besucht bzw. mitgestaltet habe. Wenn es in anderen Themenrunden ausführlichere, noch nicht dokumentierte  Berührungspunkte mit bzw. Thematisierungen von Literaturverwaltungsaspekten gab: Es eine herzliche Einladung ausgesprochen, diese via Kommentar(e) anzumerken und im Idealfall ausführlicher zu  beschreiben.

Matti Stöhr

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4 Responses

  1. […] Matti: Breit und intensiv diskutiert – das Thema Literaturverwaltung beim BibCamp 6 in Nürnberg [Teil 2…, Literaturverwaltung & […]

  2. Kerstin sagt:

    „Es benötigt tendenziell eine masochistische Veranlagung zum Textsatz mit LaTeX“.

    Da sind aber viele, viele LaTeX-Nutzer anderer Meinung. Für mich wäre der viel größere Horror mehr als 10 Seiten mit Verweisen aller Art, Literaturverzeichnis, Abbildungen usw. in WORD verfassen zu müssen. Von Formeln wollen wir hier mal gar nicht reden und von der Optik des Ergebnisses auch nicht….

    In der Tat wäre es schön, gäbe es mehr Bibliothekare, die sich mit LaTeX auskennen und Nutzer kompetent bei der Literaturverwaltung im Zusammenspiel mit LaTeX beraten könnten. Und es wäre schön, es gäbe allen Anbietern von Literaturverwaltungsprogramme jemanden der sich mit LaTeX auskennt. Ansonsten bekommt man Probleme, wie bei Mendeley, wo der .bib-Export fast schon unbrauchbar ist.

    Gibt es eine Bibliothek, die speziell für LaTeX-Nutzer bereits etwas anbietet?

  3. Matti Stöhr sagt:

    Meines Wissens sind LaTeX-Kurse vor allem an (Hochschul-)Rechen- und/oder Weiterbildungszentren sowie direkt an den (naturwissenschaftlichen) Instituten, wo LaTeX nicht zuletzt wegen der Formeldarstellung besonders relevant ist, angesiedelt. Beispiele:

    RRZK Köln – http://rrzk.uni-koeln.de/kurs-latex.html
    TU Berlin – http://www.physics.tu-berlin.de/pc-pool_physik/kursangebote/latex/

    Eine Bibliothek die aktuell explizit den Umgang mit LaTeX in Verbindung mit Literaturverwaltung, also BibTeX und JabRef, schult, ist die Zürcher ETH-Bibliothek: http://www.library.ethz.ch/Ueber-uns/Aktuell/Was-ist-LaTeX-BibTeX-JabRef-Schulung-10.-April
    Ferner habe ich Beispiele an der Bibliothek der Hochschule für Angewandte Wissenschaften München (http://www.bib.hm.edu/serviceangebote/informationsveranstaltungen/index.de.html), der UB Bern (http://www.ub.unibe.ch/content/lernen__lehren/kurse_fuer_studierende/bibtex/index_ger.html) und der UB Lüneburg (http://www.leuphana.de/services/miz/aktuell/blog/blog-post/2012/05/29/latex-benutzerinnen-aufgepasst-literaturverwaltung-mit-jabref.html) entdeckt.

  4. Kerstin sagt:

    Danke für’s Nachforschen🙂

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