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Papers – außen hui, innen…

Die niederländische Firma Mekentosj erfreut Mac Nutzer seit Anfang diesen Jahres mit „Papers 2 – your personal library of research„. Das Design erinnert sehr an das iTunes Interface – wodurch die Navigation durch Papers zu einem intuitiven Spaziergang wird!  Die Herkunft aus dem Bio.-Med. Sektor ist für die IVS-BM ein nettes Schmankerl. Doch lassen wir uns nicht blenden von schickem Aussehen – denn wir wissen alle, worauf es wirklich ankommt😉

Die Intention von Papers war es, ein iTunes für PDFs zu sein. Zu dem Zeitpunkt der Entwicklung war die Verwaltung von PDF besonders auf dem Mac nicht leicht mit anderen Systemen zu bewerkstelligen – weshalb sich die damaligen PhDler an die Programmierarbeit machten. Mittlerweile ist die Konkurrenz zwischen den Anbietern und ihren Produkten immer größer geworden – und man schaut auch gerne etwas voneinander ab. Papers 2 bietet mit „Magic Manuscripts“ ein Feature für (nach eigener Aussage alle!) Textverarbeitungsprogramme an, wodurch sich Zitate und Bibliographien einfach generieren lassen. Die Output Styles basieren aber auf dem gleichen Repository wie bei Mendeley und Zotero auf github und lassen sich nicht einfach von Hand anpassen (vgl. EndNotes CWYW). Auch eine Funktion zum Zusammenarbeiten mit anderen Wissenschaftlern wird angeboten: Papers Livfe (sieht komisch aus – ist aber so^^). Allerdings lässt sich darin weder nach Personen, Themen oder Artikeln suchen. Und es ist uns noch nie gelungen, andere Personen per Mail zu einer privaten Gruppe einzuladen; immer kam der Hinweis, man solle sich bitte Papers herunterladen (obwohl das Programm bereits installiert war). Und nun zum schwerwiegendsten Problem: die integrierte Suchmöglichkeit in Papers. Wie bei allen Literaturverwaltungssystem, die die direkte Recherche aus dem System in Datenbanken, Bibliothekskatalogen und Suchmaschinen bieten, ist diese sehr abgespeckt. Es gibt nicht alle Suchfelder, Thesauri werden unterschlagen und von der Ergebniszahl und weiteren Einschränkungsmöglichkeiten ganz zu schweigen. Dazu kommt aber noch, dass Papers 2 eine Metasuche über mehrere Repositorien gleichzeitig basteln lässt, z.B. „ich will Google Scholar und Web of Science gemeinsam mit demselben Begriff durchsuchen“ – dass dabei nichts qualitativ Wertvolles herauskommt, kann sich jeder denken… Und die Notlösung des Imports von Referenzen mittels Austauschformaten wie BibTex funktioniert leider auch nur mit Datenverlust.

In der neuen Version Papers for Windows ist diese Metasuche übrigens noch nicht möglich. Dafür werden die 25 eingebauten Repositories derart präsent in dem System angezeigt, dass man sich schwer nicht verleiten lassen kann, Scopus direkt dort zu starten und nicht den Umweg über das Original zu gehen. Die obligatorische Windowsversion hapert noch an einigen weiteren Stellen, wie z.B. der Highlightingfunktion oder der Synchronisation mit mobilen Geräten. Außerdem sieht sie weit nicht so stylisch aus wie auf dem Mac😉

Unser Fazit: Organisation von PDFs (in Collections, Smart Collections und Subcollections) funktioniert gut & leicht! Alles andere – ist ausbaufähig.

Und das war auch das interessante Ergebnis unserer nicht repräsentativen Umfrage unter den 20 Teilnehmern VOR unserer letzten Schulung zu Papers: sie wollen das System primär um ihre Papers (Research Papers, Reviews etc.) zu organisieren und das Interface soll einfach zu bedienen sein. Wünsche erfüllt: Papers kann das wunderbar!🙂

Jana Votteler

Einsortiert unter:Services & Support, Software & Tools, , , , ,

5 Responses

  1. adam.smith sagt:

    zu der leichten Anpassung von CSL Stilen (für Zotero, Papers etc.) – da bewegt sich was:
    https://csleditor.wordpress.com/
    http://steveridout.com/csl/
    ist durchaus schon sehr brauchbar, könnte definitiv aber auch von mehr Testern profitieren – vielleicht ja ein Thema für einen eigenen Post?

  2. Jan sagt:

    Der Kommentar ist sehr oberflächlich. Das Programm gibt es schon sehr lange, und auch Papers 2 gibt es nicht erst seit diesem Jahr. Die Suchfunktion ist mächtig – man muss sie nur zu nutzen wissen. Schon von Haus aus sind 18 (!) verschiedene Optionen bei einzelnen Bestandteilen (!) des Querys möglich (Keyword, Title, Author, Journal, …) Auch magic words der jeweiligen Dienste sind möglich. Es gibt zahlreiche Importmöglichkeiten anderer Formate, RIS, versch. Endnote-Formate, CiteULike, etc. Den Umweg über BibTeX („Notlösung“) muss man nicht gehen.

    „Mittlerweile ist die Konkurrenz zwischen den Anbietern und ihren Produkten immer größer geworden – und man schaut auch gerne etwas voneinander ab.“

    Ich nutze Papers seit 2007. Damals gab es Endnote und irgendwelchen anderen sperrigen Schrott. Wo hat Papers abgekupfert, denn genau dieser Vorwurf wird hier in den Raum gestellt.

    • adam.smith sagt:

      natürlich gucken die jeweiligen Literaturverwaltungsprogramme sich gegenseitig Funktionen an. Das ist doch auch gut so! (und deshalb ist dieses ganze Apple Patent-Zeug auch so ein Mist – weil es Innovation behindert).
      Ganz konkret z.B. hat Papers2 sich das Zitieren von Zotero (und in geringerem Maße – Mendeley) abgeguckt. Die CSL Zitierstile und deren Spezifikation die Zotero seit 2006 verwendet, sind Open Source damit genau sowas möglich ist. Der CSL Prozessor den Zotero und Mendeley verwenden (citeproc-js) ist auch open source – Papers hat seinen eigenen in C++ geschrieben, aber sagt auch ganz offen, dass sie sich dabei citeproc-js genau angeschaut haben – das ist auch alles gar nicht kontrovers, die e-mails dazu sind über eine öffentliche Mailingliste gelaufen und die Credits sind – so wie es sich gehört – in Papers2 aufgeführt.

      Ich kenne den Zotero Entwicklungsprozess was besser und da wird natürlich darauf geschaut was andere Software macht und wenn was gut ist ob und wie das nicht auch in Zotero geht. Da es bei der Literaturverwaltung so gut wie keine Software Patente gibt, ist das nicht nur legitim, sondern auch legal.

      Die Vorstellung, dass das „Abkupfern“ von Funktionen ein ganz schlimmer Vorwurf ist zeugt von einem etwas bizarren Bild von Softwareentwicklung speziell und Innovation generell.

      • Jana Votteler sagt:

        Danke für den Hinweis adam.smith – da lohnt sich ein genauer Blick drauf😉
        Als Bibliothekarin kann ich mit großer Überzeugung sagen, dass die integrierten Suchoberflächen in einem Literaturverwaltungsprogramm NIEMALS die Recherche in qualitativen Fachdatenbanken abbilden können – besonders wenn 25 gleichzeitig durchsucht werden. Da kann es nur zum Verlust relevanter Ergebnisse und gleichzeitig zur Informationsflut kommen! Die Search Field Description stammt von PubMed (z.B. [au]). Aber die lässt sich nicht 1 zu 1 auf das Web of Science übertragen – und so kommt es zum Verlust.
        Statt dem Begriff „abschauen“ wähle ich jetzt „inspirieren lassen“: denn zu Beginn gab es für Papers keine einfache Möglichkeit der Zusammenarbeit mit einem Textverarbeitungsprogramm – EndNotes CWYW musste zum Einsatz kommen. Außerdem ist Papers Livfe die kleine Schwester von Mendeleys Research Library: denn letztere ist Online frei zugänglich und nicht nur bei einer erworbenen Lizenz. Zudem funktionieren alle Einladungslinks – aber vielleicht hatten wir einfach nur Pech😉

      • adam.smith sagt:

        „Als Bibliothekarin kann ich mit großer Überzeugung sagen, dass die integrierten Suchoberflächen in einem Literaturverwaltungsprogramm NIEMALS die Recherche in qualitativen Fachdatenbanken abbilden können“
        Das sehe ich als Nutzer genauso – daher eben Zotero als Lieblingswerkzeug, weil es beim Direktimport aus dem Browser unschlagbar ist.

        „– besonders wenn 25 gleichzeitig durchsucht werden. “
        das wiederum sehe ich anders – Meta Suchen – unsere Uni Bibliothek bietet das z.B. an – können sehr praktisch sein, solange man eben relativ breit sucht und generische Suchfelder verwendet. Da das ja rein optional in Papers2 ist würde ich das nicht einfach so abtun, finde ich durchaus ein nettes Feature.

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