Literaturverwaltung

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Aktuelles – Analysen – Austausch zu Software und Services für die persönliche Literatur- und Wissensorganisation

Zitieren mit URIs: Anfang vom Ende der Literaturverwaltung

Alf Eaton stellt in HubLog ein Skript vor, daß er für Google Texte & Tabellen (kurz Google Docs) geschrieben hat. Nach Installation des Skripts innerhalb der Google-Dienste

  • durchsucht es auf Anforderung ein Dokument nach DOIs,
  • ermittelt anhand dieser DOIs gleichförmig aufgebaute, gut lesbare Quellenangaben,
  • erstellt aus diesen Quellenangaben eine Bibliographie im Anhang des Dokuments, und
  • ersetzt abschließend die DOIs im Dokument mit durchnummerierten Angaben, die auf die vollen Quellenangaben im Anhang verweisen.
  • Als Schmankerl wird das Dokument ganz zum Schluß in ein PDF umgewandelt und seinem Autoren per E-Mail zugeschickt.

Ein schönes Detail: URLs statt DOIs

Statt DOIs kann das Skript auch beliebige URLs erkennen und ersetzen, die als Quellen im Text erwähnt werden. Diese werden auf die gleiche Weise verarbeitet — vorausgesetzt, die URL gibt auf Abruf bibliographische Angaben in maschinenlesbarer Form (hier: in JSON) zurück. Eine solche Funktion ist für stabile URLs in Bibliothekskatalogen oder Repositories ebenso denkbar wie z.B. für Links auf Artikel in Wikis und Weblogs.

Mendeley-Integration, einfaches Zitate-Markup

Zwei weitere interessante Details

  • Statt DOIs und beliebiger URLs können auch IDs bibliographischer Datensätze aus Mendeley-Bibliotheken verwendet werden. Sicherlich ein erfreulicher Zwischenschritt für Anwender, die Korrektheit und Vollständigkeit ihrer bibliographischen Angaben selbst konktrollieren wollen.
  • Das Skript kann die bloße Erwähnung z.B. einer URL von einer URL als Quellenangabe unterscheiden, indem alle Quellenangaben durch ein sehr simples Markup gekennzeichnet werden müssen; Eaton nennt als Beispiel
{{cite:doi:10.1038/nchem.1108}}

Warum ist das mehr als eine Spielerei, sondern wegweisend?

Kurze Antwort: Weil es der überfällige Anfang vom Ende traditioneller Literaturverwaltung ist.

Eine etwas ausführlichere Antwort liefert das folgende Selbstzitat (sorry für die Stillosigkeit), ein Kommentar von mir in diesem Blog vor einigen Monaten:

In einer idealen biobliographischen Welt bekommt ein Werk in dem Augenblick, in dem es in die (Netz-)Welt gesetzt wird, eine identifizierende URI, unter der dauerhaft Metainformationen abgerufen werden können, und am Besten auch gleich der Volltext frei zugänglich ist. DOI, URN, Handle und Co. weisen den Weg. Was mir fehlt ist ein zweiter Schritt: Unter dem Identifier müßten auch maschinenlesbare (also strukturierte) bibliographische Informationen abrufbar sein. Klingt banal, aber das könnte die Welt der Literaturverwaltungssoftware vom Kopf auf die Füße stellen: Das Dokument holt sich seine bibliographischen Detailangaben anhand von Identifiern im Hintergrund, und der Leser (!) kann wählen, in welchem Stil ihm Quellen und Zitate anzeigt werden.

Die Hürde der bibliographischen Beschreibungssprache(n)

Die zurzeit größte Hürde: Es müßte sich als Standard etablieren, auf Maschinenanfragen an bestimmte URLs strukturierte bibliographische Angaben z.B. anhand der Citation Style Language in JSON zurückzugeben. Insbesondere Entwickler der Software für Kataloge, bibliographische Webdienste aller Art, Repositories, Journals, aber auch Wikis, Weblogs und andere Publikations-Plattformen aller Art müßten sich dies zu Herzen nehmen. Die relativ rasche Verbreitung von Konventionen wie COinS und unAPI in der Vergangenheit lassen hoffen, daß dies nicht zu fern von der Realität liegt.

Literaturverwaltung = Arbeit für Autoren; Literaturbeschreibung = Komfort für Leser

Eatons Gründe, seine maschinengestützten Literaturbeschreibung  (Literaturverwaltung wäre das ja nicht mehr, da die beschreibenden Daten keinen „Zwischenhalt“ mehr beim Autoren einlegen, der sie verändert, verwaltet etc.) zunächst in Google Docs zu implementieren, kann ich gut nachvollziehen: Es handelt sich um eine besonders populäre, vielseitig einsetzbare und zudem leicht zu skriptende Textverarbeitungsplattform.

Als Leser nimmt mir das Skript eventuell zu viele Entscheidungen vorweg. Wie wäre es, wenn das Skript anhand des Locales (Gebietsschemas) meines Browsers oder Ebookreaders vermutet, daß ich vielleicht den in Deutschland relativ verbreiteten DIN-Zitierstil bevorzuge, und mir eine entsprechende Bibliographie während des Textabrufs erzeugt? Oder ein Schieberegler neben dem Text, der mich frei einstellen läßt, wie ausführlich die bibliographischen Angaben sein müssen?

Standards, Sprachen und Webdienste statt komplizierter Clients

Wäre ich heute Hersteller einer Literaturverwaltungs-Software, dann würde ich es Zotero und Mendeley gleich tun, die derzeit offenbar viel Energie in die Ausarbeitung und Implementierung von Standards wie der Citation Style Language stecken. Webdiensten, die strukturierte bibliographische Angabe liefern, abrufen, verschieden formatiert darstellen, aber z.B. auch disambiguieren, in Sets präsentieren, sortier- und durchsuchbar machen, gehört die Zukunft.

Die Beispiele ZotPress und KCite

Warum soll ich mir schließlich eine Software kaufen und auf meinem Rechner installieren, warum mir einen Account bei einem kommerziellen Webdienst anlegen, wenn ich mir mit kostenloser und quasi überall verfügbarer Software wie Zotero und WordPress eine tadellose Bibliographie generieren kann? (Vgl. Katie Seaborns Zotpress.) Ein weiteres WordPress-Plugin, das — ohne Zotero — ganz ähnlich wie Alf Eatons Skript funktioniert, ist KCite.

Jeder Autor ein kleiner Experte für bibliographische Datenbanken? Vorbei…

Eigentlich ist es ein No-Brainer: Die Zukunft der Literaturverwaltung ist das Verschwinden komplizierter und manchmal teurer Literaturverwaltungs-Clients. Vorbei die Zeiten, in denen Autoren kleine Experten für bibliographische Datenbanken sein sollten. Wir Informationsprofis haben diese Fiktion der einschlägigen Client-Hersteller (und vor allem -Verkäufer) lange genug reproduziert. Endlich sehen wir all das allmählich verschwinden — es wird höchste Zeit!

Einsortiert unter:Schreiben & Zitation, Theorie & Visionen

32 Responses

  1. CH sagt:

    Du setzt voraus, dass bibliographische Datenbanken nur dem Ziel dienen, Bibliographien zu erstellen. Ich spreche sicherlich nicht nur für mich persönlich, wenn ich hier den wesentlichen Zweck der Wissensorganisation ergänze.

    Der von Dir beschriebene Unterschied zwischen Literaturbeschreibung und Literaturverwaltung trifft es sehr gut. Die Beschreibung kann man auslagern. Aber die Verwaltung muss dennoch irgendwo stattfinden.

    Clients, die sich auf die Beschreibung konzentrieren, wären durch die von Dir skizzierte Entwicklung in der Tat in Bedrängnis. Clients (ob Standalone, Web oder sonstwas), die sich auf die Verwaltung konzentrieren, sind nach wie vor relevant.

  2. Christian, guter Punkt. Wir hatten hier beim letzten Beitrag (Martin über CiteULike Gold) auch eine ganz interessante kleine Diskussion darüber, welchen Webdienst wir eigentlich als Literaturverwaltung bezeichnen. Ganz eng und traditionell würde man sagen: Das, was sich mit einem lokalen Client in die Textverarbeitung integriert. Dann wären Mendeley, Zotero, RefWorks und EndNote Web webdienste-lastige Literaturverwaltungs-Anwendungen, CiteULike hingegen nicht.
    Oder man faßt die Definition etwas weiter und sagt: Alles, was mich eine eigene Sammlung bibliographischer Items sammeln läßt, ist Literaturverwaltung – dann stünde der von dir genannte Anwendungsfall im Mittelpunkt der Definition, und CiteULike wäre mit abgedeckt.

  3. Martin de la Iglesia sagt:

    Auf das Ende der Literaturverwaltung wie du, Lambert, es beschreibst, freue ich mich auch schon. Andererseits glaube ich angesichts der derzeitigen Verhältnisse nicht, dass wir das noch erleben werden. Was natürlich nicht heißt, dass wir nicht darauf hinarbeiten sollten.

  4. CH sagt:

    Das Ende der Literaturverwaltung ist nichts, worauf ich sehnsüchtig warte. Warum also darauf hinarbeiten? Oder ist jetzt wieder das Ende der Literaturbeschreibung gemeint?

    So ein paar Grundkenntnisse sowohl der Literaturverwaltung als auch der Literaturbeschreibung lassen sich m.E. auch nicht an Infrastrukturen outsourcen. IDs werden nie absolut zuverlässig sein. Ob ich wirklich die hinter {{cite:doi:10.1038/buch.asjhej21112}} stehende Manifestation eines Werks zitieren möchte oder nicht, ist weiterhin der aufmerksamen Prüfung der Autoren überlassen. Und die Zuordnung von Zitaten zu den IDs muss auch irgendwo stattfinden.

    Ich verstehe gerade nicht, was am Konzept Literaturverwaltung so fürchterlich ist, dass wir dringend auf ihr Ende hinarbeiten müssen. Stehe ich auf dem Schlauch?

    • Dinge, die man sich in einem 90-minütigen Workshop beibringen lassen muß, und dann immer noch ungern anwendet, kann man m.E. auch als fürchterlich bezeichnen. Warum ist auf Literatur verweisen nicht so einfach wie einen Hyperlink zu setzen? Warum *ist* auf Literatur zu verweisen nicht einen Link zu setzen? Wenn am Horizont die Möglichkeit erscheint, daß daraus *eines* wird, dann ist das eine sehr erfreuliche Perspektive. Um nicht mehr und weniger geht es hier.

      • Najko sagt:

        Wir können es sogar noch schärfer formulieren – niemand mag es, Formulare auszufüllen. Die DOI ermöglicht nicht nur, Daten aus Crossref, sondern auch aus anderen Quellen nachzunutzen. Am verwandten Anwendungsbeispiel Institutionelles Repository und Publikationsmanagement: In Bielefeld entnehmen wir die DOIs aus automatischen ISI Imports, gleichen diese für spezielle Disziplinen in weiteren relevanten Quellen ab und ergänzen die entsprechenden URIs ebenfalls über Batch-Routinen, Beispiel arXiv und Inspire

        http://pub.uni-bielefeld.de/publication/1609642

        Für diesen Datensatz musste der Forschende keinen Finger rühren, die Autoren- und Einrichtungszuordnung sowie die Freigabe des Records benötigte im Back-Office wenige Klicks, mit CSL stehen vielfältige Nachnutzungsmöglichkeiten für die Publikationsliste zur Verfügung. Und wir wissen, dass zumindest eine Version des Papers bereits OA zur Verfügung steht, so dass wir den Forschenden nicht mehr unbedingt nach seinem Volltextdokument fragen brauchen.

  5. CH sagt:

    Zweieinhalb Einwände:

    1. „Ungern anwenden“ ist jetzt Deine persönliche Meinung? Das Feedback der mir bekannten Literaturverwalter sieht anders und teils euphorisch aus. Wirklich!

    2a) Einen Hyperlink zu setzen ist nicht einfach. Dass aber die Usability der Literaturverwaltungsprogramme noch verbessert werden muss, darüber stimmen wir überein.

    2b) Warum muss man die Hyperlinks selbst setzen? Man kann doch auch einfach ein Zitat aussuchen und ein Programm den Hyperlink setzen lassen. Das wäre wirklich einfach. Dieses Programm wäre dann wieder: eine Literaturverwaltung.

    Ich verstehe das Problem mit dem Konzept „Literaturverwaltung“ immer noch nicht. Geht es hier jetzt darum, woher Citavi & Co die Daten beziehen, die dann in der Textverarbeitung oder im Posting erscheinen? Ob die ad hoc über ein Script irgendwoher gezogen werden oder ob sie in einem Programm zwischengelagert werden, ist doch nur eine Frage des Handlings.

    • Ich schätze, wir haben irgendein Kommunikationsproblem, was wir hier offenbar nicht geklärt bekommen. Was du „nur eine Frage des Handlings“ nennst ist für mich jedenfalls ein riesiger, komplizierter Bombast: Software, die ich aktualisieren muß, Quellen, die ich einsammeln und korrigieren muß, überlaufende Listen die ich im Blick behalte oder nicht etc.

      • CH sagt:

        Nur weil Busse und Bahnen stark verbesserungsfähig sind, heißt es nicht, dass das Konzept ÖPNV gescheitert ist und nicht mehr benötigt wird.

        Den Bombast kann und sollte man einschrumpfen. Wobei ich da auch nicht so viele Möglichkeiten sehe, die über Usability-Optimierungen hinausgehen.

        Ähnlich wie bei Word haben konventionelle Literaturverwaltungsprogramme enorm viele Möglichkeiten, irgendwelche Kleinigkeiten einzustellen oder abgefahrene Ex- und Imports durchzuführen. Braucht fast kein Mensch, klar. Aber einige eben doch.

        Aus eben diesem Grund ist es m.E. auch nicht zulässig zu sagen, Google Docs sei *besser* als MS Word oder LibreOffice. Es ist radikal einfacher. Bietet aber auch wesentlich weniger Funktionen. Einen Serienbrief mit Google Docs zu erstellen, ist zwar auch möglich. Aber keineswegs einfacher als mit Word & Co.

        PS: Beware of hinkende Vergleiche.

  6. CH sagt:

    Das Kommunikationsproblem besteht m.E. darin, dass ich nicht sehe, wie das von Dir beschriebene Problem durch das Zitieren mit URIs gelöst wird.

    Aktualisieren von Software kann man z.B. durch Online-Anwendungen lösen. Aber auch im Browser bliebe eine Literaturverwaltungssoftware immer noch Literaturverwaltung.

    Die Quellen müssen doch auch immer noch eingesammelt und korrigiert werden. Das Zitieren mit URIs ist nützlich für das schnelle Posting zwischendurch. Wenn man länger an einem Thema arbeitet wird man sich aber eine persönliche Wissensbasis anlegen wollen. Beispiel:

    Zitat: „Hat der alte Hexenmeister“
    Autor: Goethe
    ID: doi: x.yz

    Ob das nun browserbasiert oder sonstwo passiert, ist egal. Das ist, was ich mit Frage des Handlings meine. Es bleibt die Aufgabe: Zuordnung von Zitaten, Abb. oder Diagrammen zu URIs.

    Oder stellst Du Dir das so vor, dass es nur noch eine riesengroße Wissensbasis gibt, aus der sich alle ad hoc bedienen und dann den URI in den Text packen, wo er gerade benötigt wird?

    • Martin de la Iglesia sagt:

      Entscheidend ist, dass es sich um eine *persönliche* Wissensbasis handelt, d.h. welche Metadaten ich aus mnemotechnischen Gründen mit dem URI assoziiere, bleibt mir selbst überlassen. Ich muss jedoch nicht mehr Verlag, Erscheinungsort, exakten Titel usw. erfassen, um hinterher eine korrekte und vollständige Literaturangabe zu erzeugen. Meines Erachtens ist das *der* Knackpunkt der gegenwärtigen Literaturverwaltung.

      • Schön zusammengefaßt Martin, das ist der Knackpunkt. Detailangaben zu „Verlag, Erscheinungsort, exakten Titel“ etc. *individuell vorzuhalten* ist der Kern dessen, was unter Literaturverwaltung verstanden wird, und das ist in einer Webwelt Quark.

      • CH sagt:

        Schön zusammengefaßt Martin, das ist der Knackpunkt. Detailangaben zu „Verlag, Erscheinungsort, exakten Titel“ etc. *individuell vorzuhalten* ist der Kern dessen, was unter Literaturverwaltung verstanden wird, und das ist in einer Webwelt Quark.

        Gut, dann haben wir das Missverständnis doch klären können. Ich verstehe unter Literaturverwaltung das individuelle Informationsmanagement. Dazu müssen die Informationshäppchen (Zitate, etc.) mit bibliographischen Daten verbunden werden. Ob die nun live irgendwoher gezogen werden oder vor Ort in einer DB liegen, ist für mich die oben erwähnte Frage des Handlings.

        Ich selbst nutze Literaturverwaltung mit dem Fokus auf Inhalte, nicht auf Metadaten. Und gebe das auch so in meinen Veranstaltungen weiter. Die Organisation von schriftlich fixierten Inhalten ist eine Aufgabe, die auch weiterhin bestehen wird. Daher bin ich auch uneins mit der Forderung nach dem Kampf gegen die Literaturverwaltung. Einer Konzentration und Optimierung der vorhandenen Instrumente auf den eigentlichen Zweck stimme ich jedoch voll und ganz zu.

        PS: Das Threading gerät ein wenig außer Kontrolle.

  7. […] Heller bloggt über das Zitieren mit URIs. In den Kommentaren ist daraus eine Diskussion über den Stellenwert der Literaturverwaltung an […]

  8. Bei Alf Eatons Lösung muß nichts eingesammelt und korrigiert werden, siehe Beitrag.

    • CH sagt:

      Natürlich muss gesammelt werden. Irgendwoher musst Du ja wissen, welche URI Du zitieren willst. Kernaussage:

      „You can use {{cite:doi:10.1038/nchem.1108}} to cite an item by DOI; in this case the data will be fetched from CrossRef.“

      Die Metadaten werden also aus Crossref gezogen. Aber die DOI wirst Du nicht auswendig können. Woher weisst Du, welche Informationen in welchem Artikel zu finden sind, den Du vor 5 Jahren gelesen hast. Willst Du das ad hoc nachsehen? Kann man machen, halte ich aber nicht für mehrheitsfähig.

      Nehmen wir Citavi als Beispiel für das, worauf ich hinaus will. Der Programmteil „Literatur“ (=Literaturbeschreibung) kann durch Lösungen wie der hier vorgestellten evtl. weitgehend ersetzt werden. Das wäre (ebenso evtl.) auch wünschenswert.

      Was ich aber nicht sehe, ist der Ersatz der in Citavi „Wissensorganisation“ genannten Funktionen. Und da muss eben doch gesammelt werden und so. Das ist das, was ich Literaturverwaltung nennen würde.

  9. Matti Stöhr sagt:

    Hallo in die Diskussionsrunde,

    so schön es auch klingen mag, eine Publikation via Link und/oder Persistent Identifier zu referenzieren, so weit ist man im (wissenschaftlichen) Publikationswesen bei Leibe nicht. Ich erinnere (mich) da gut und gerne an die Bibcamp4-Diskussion, welche bei der von Martin Fenner inspirierten Session zu epub, geführt wurde. Stichwort: Unterschiedliche Publikationskulturen. …

    • Nemissimo sagt:

      So weit, daß nur noch mit Link oder sonstigem Identifier zitiert wird, möchte ich auch nicht kommen. Die „Literaturbeschreibung“ in wissenschaftlichen Publikationen hat eben nicht nur Funktion als Verweisung auf den Fundort, sondern bietet Information, die eine Entscheidung ermöglicht, ob man den Fundort überhaupt aufsuchen will/muß. Wenn es dafür keinen Bedarf gäbe, hätte man Bücher auch in der Printwelt/-zeit schon lange mit ISBN und Seitenangabe zitieren können. Das ist vielleicht ein Stück weit auch wieder disziplinabhängig. Mathematiker, Informatiker und Physiker zitieren gern mit numerierten Referenzen. Mich nervt das, ich ziehe die ‚geschwätzigen‘ Zitierweisen der Geisteswissenschaftler vor (und bitte Fußnoten, keine per se leserunfreundlichen Endnoten). E-Mails, die aus dem einzigen Inhalt „ggf. von Interesse“ oder „fyi“ und einem Link bestehen, der nicht im geringsten erkennen läßt, was sich dahinter verbirgt und war etwas von Interesse sein könnte, ignoriere ich. Entsprechend wäre es bei nicht aussagekräftigen Referenzen in wissenschaftlichen Arbeiten. Die Mehrarbeit, die für die Autoren damit verbunden ist, nicht nur zu referenzieren, sondern auch zu beschreiben, ist ihnen zuzumuten, da es den Lesern leichter macht. Da fast jeder Autor auch Leser ist und im Zweifelsfall mehr liest als schreibt, lohnt sich die Mühe bei der Erfassung und Verwaltung von Daten, die eine hilfreiche Literaturbeschreibung ermöglichen, unter dem Strich für alle Beteiligten. (Das ist übrigens auch mein Hauptargument gegen die inzwischen von den meisten wahrscheinlich vergessene dümmliche Rechtschreibreform: Da hat man versucht, das Schreiben zu erleichtern und dafür in Kauf genommen, daß sich das Lesen erschwert – zumindest für diejenigen, die einmal gelernt haben, welche Hilfe bei der Disambiguierung der Folge syntaktischer Einheiten z.B. regelgerecht gesetzte Kommata sein können.)

      • @Nemissimo: Nur um noch mal genau zu differenzieren: Weder Alf Eaton noch ich reden dem Zitieren mit lediglich einem Identifier das Wort. Als Leser will ich auch immer gleich Autor, Titel, Erscheinungsjahr, Publikationstyp sehen. Aber als Autor will ich das nicht zusammenklauben. Ich will einfach nur einen Link (oder sonst einen anderen simplen Identifier) per Copy-and-Paste einfügen.
        Man kann ja zurecht darüber spekulieren, ob z.B. der schriftliche Ausdruck von einer selbstverständlichen, verbreiteten Kultur des Handschreibens profitiert hat oder immer noch profitieren würde. Klar ist aber, daß das Vorhandensein der Techniken Schreibmaschine und „MS Word“ diese Frage praktisch erledigt hat. Mit dem Zusammenklauben detaillierter bibliographischer Angaben ist es m.E. ähnlich: Die allermeisten Autoren würden das nicht vermissen, wenn es nicht mehr nötig wäre.

    • @Matti: Publikationsverhalten ist nicht statisch. Inzwischen arbeiten z.B. Geistes- und Sozialwissenschaftler sehr häufig mit Word – eine jüngere Technokultur, in die man sich auch irgendwann mal reingefunden haben muß. Könnte mir gut vorstellen, wie diese Wissenschaftler sich über ein komfortables Instrument (Word-Plugin?) freuen würden, das aus jedem kopierten Link und jedem erwähnten Buch (meinetwegen ISBN) im Word-Dokument eine hübsche Literaturangabe samt Literaturverzeichnis im Anhang macht. Citavi und Co. nicht erlernen zu müssen (bzw. Zitierstile auswendig zu lernen) würde mancher sicherlich gerne gegen eine Welt tauschen, in der per Webdienst im Hintergrund lautlos die korrekten Angaben gezogen werden. Alf Eaton zeigt uns, daß es sich allmählich lohnt, das Paradigma zu wechseln: Diese lautlose No-Brainer-Lösung zu realisieren, statt endlos weiter die „Usability“ von EndNote, Citavi und Co. zu reparieren.

      • CH sagt:

        Aber auch die „lautlose No-Brainer“-Lösung ist doch eine Teilfunktion einer Literaturverwaltungssoftware. Wenn ich Dich richtig verstehe, geht es Dir primär darum, Dich nicht mit Stand-Alone-Lösungen wie Endnote oder Citavi beschäftigen zu müssen?

  10. lesewolke sagt:

    Ich verwende Literaturverwaltungsprogramme in erster Linie zum Sammeln von Inhalten, kopiere also Absätze aus dem Originaltext dort hinein. Es geht mir hier nicht nur um reine bibliographische Angaben. Daher finde ich diese Programme nach wie vor unverzichtbar.

    Wenn ich eine mehrseitige Abhandlung schreiben müsste, würde ich Citavi nutzen, weil ich die Bild- und Textzitate sofort den Kategorien, also der Struktur des zukünftigen Textes zuordnen kann und weiß, was habe ich wo zu dem geplanten Kapitel gelesen. Schön fand ich übrigens auch die organisatorischen Funktionen: welches Buch will ich noch ausleihen, wann zurück geben, Artikel kopieren usw. sowie die Möglichkeit spontane Ideen unabhängig von Literaturangaben anzulegen und der Struktur zuzuordnen.

    Suche ich allerdings nur Informationen für nichtwissenschaftliche Zwecke, weil ich zum Beispiel einen Ausflug plane, oder finde spontan etwas, wovon ich noch nicht weiß, wozu ich es genau benötige, nehme ich Zotero, wobei mir hier auch die Notizfunktion wichtig ist.

  11. […] Diese kann man zum Beispiel mithilfe eines Literaturverwaltungsprogrammes zusammentragen. Im Blog Literaturverwaltung & Bibliotheken beschäftigte sich Lambert Heller mit einem neuen Skript für Google Docs, welches Dokumente nach […]

  12. Mit großem Interesse verfolgen wir bei Citavi die Diskussion – sozusagen als direkt Betroffene. Hartmut Steuber hat ein paar Antworten auf Fragen skizziert, die wir für die Arbeit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und damit auch für unsere eigene Arbeit als zentral betrachten. Sein Fazit: Es bedarf moderner Werkzeuge, um komplexe wissenschaftliche Aufgaben zu rationalisieren. Der Länge wegen im Einzelnen nachzulesen unter: http://www.citavi.com/de/thesen.html

    • Lieber Herr Schweiger, lieber Herr Steuber – ohne daß ich bereits dazu gekommen wäre, die Thesen näher zur Kenntnis zu nehmen: Ich freue mich über Ihren Einstieg in die Diskussion. Möchten Sie nicht vielleicht doch noch einen Gastbeitrag für dieses Blog daraus machen? Die Thesen wären dann auffälliger und würden vielleicht stärker in die bloginterne und -externe Diskussion einbezogen!

      • Lieber Herr Heller, herzlichen Dank für das Angebot! Um ehrlich zu sein, sind wir uns nicht ganz sicher, ob wir Ihren Blog so in Beschlag nehmen dürfen. Wenn Sie aber auch nach nach der Lektüre der Thesen kein Problem darin sehen, würden wir uns natürlich sehr darüber freuen!

  13. […] „neuen Anwendungsszenarien“ möchte ich noch einmal auf einen vieldiskutierten Beitrag zur Zukunft der Literaturverwaltung neulich hier im Blog verweisen, sowie auf den Aufsatz Bibliographie und Sacherschließung in der […]

  14. […] Zum Thema Literaturverwaltung mit Google Docs siehe auch Zitieren mit URIs: Anfang vom Ende der Literaturverwaltung. […]

  15. […] weist Lambert Heller, der ja mit seinem Statement “Literaturverwaltung muss sterben” nicht zum ersten Mal einen sehr visionären, noch nicht in greifbarer Nähe befindlichen Ansatz zum Thema vertritt, auf […]

  16. […] abrufen lassen. Das klingt nicht unbedingt sexy, und doch weist es unter anderem den Weg in eine neue Generation von Literaturverwaltungs-Programmen, die sich nicht mehr in bibliographischen Detailangaben […]

  17. […] Frage geht Lambert Heller im Blogbeitrag „Zitieren mit URI’s: der Anfang vom Ende der Literaturverwaltung“ […]

  18. […] abrufen lassen. Das klingt nicht unbedingt sexy, und doch weist es unter anderem den Weg in eine neue Generation von Literaturverwaltungs-Programmen, die sich nicht mehr in bibliographischen Detailangaben […]

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