Literaturverwaltung

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LaTeX contra BibTeX?

Die Ankündigung, dass das Rechenzentrum einer Universität eine LaTeX-Dokumentvorlage für Abschlussarbeiten erstellt hat und diese den Studierenden vorstellen möchte, scheint zunächst einmal nichts mit Literaturverwaltung und Bibliotheken zu tun zu haben. Schließlich sind Services rund um Textsatzprogramme nun wirklich nicht Aufgabe der Bibliotheken. Oder etwa doch?

Gerade LaTeX sollte dann zum Thema für Bibliotheken werden, wenn man sich mit bibliothekarischen Dienstleistungen rund um BibTeX-basierte Literaturverwaltung beschäftigt. Zwar lässt sich BibTeX auch ohne LaTeX als Speicherformat für bibliographische Metadaten verwenden, doch wird es oft mit dem Ziel der Einbindung in LaTeX-Dokumente gewählt. Das mindeste, was man als Literaturverwaltungsexperte oder -expertin wissen sollte, ist, wie man aus den verschiedenen Literaturverwaltungssystemen heraus korrekten, für die LaTeX-Verwendung geeigneten BibTeX-Code erzeugen kann. (Was manchmal trickreich sein kann, z.B. wenn in einem gewissen System keine BibTeX-Keys automatisch vergeben werden…)

Darüber hinaus wird es schwierig, den Zuständigkeitsbereich der Bibliotheken abzugrenzen: Sollte man in Schulungen zum Thema Literaturverwaltung (bzw. speziell zu BibTeX) zeigen, wie BibTeX-Daten in LaTeX-Dokumenten eingebettet werden? Wie der \bibliography-Befehl funktioniert? Wie diese Funktionalität in verschiedenen GUI-Anwendungen implementiert ist? Welche Möglichkeiten es gibt, BibTeX-Styles zu bearbeiten und zu erstellen?

In meinen eigenen (wenigen) BibTeX-Schulungen hatte ich den Eindruck, dass es um die LaTeX-Vorkenntnisse der Teilnehmerinnen und Teilnehmer höchst unterschiedlich bestellt war, so dass einigen mit einer allgemeinen LaTeX-Einführung vielleicht besser gedient gewesen wäre, während für andere die grundlegenden BibTeX-Funktionalitäten ein alter Hut und nur die konkreten BibTeX-basierten Literaturverwaltungsprogramme interessant waren. Ich selbst habe also keine rechte Lösung für die optimale Vermittlung von BibTeX-Literaturverwaltungskenntnissen gefunden, würde mich aber freuen, in den Kommentaren zu erfahren, wie das anderswo gehandhabt wird.

Martin de la Iglesia

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2 Responses

  1. Konstantin Baierer sagt:

    Hallo Martin,

    die LaTeX-Dokumentvorlage des Computer- und Medienservice gibt es schon eine Weile und sie ist primär für Dissertationen gedacht. Zur Verwendung von BibTeX wird darin wenig geregelt, man geht wohl davon aus, dass Doktoranden, die so technik/TeX-affin sind, dass sie ihre Arbeit in LaTeX schreiben, auch wissen wie man mit BibTeX umgeht.

    Dass es mitunter zum Haare Ausreissen frustrierend sein kann, den Fehler in einer BibTeX-Datei zu finden oder die Styles so hinzupfriemeln, dass sie auch das tun, was sie sollen, ist auch klar. BibTeX ist ein geradezu grotesk veraltetes Format. Keine UTF-8-Unterstützung — eigentlich alles was ausserhalb alphanumerischem ASCII liegt ist problematisch; lauter komische Dokumenttypbezeichnungen, deren Ausgabe je nach Stil vollkommen variiert; kompliziert zu erstellende Zitierstile; keine wirkliche Lösung für reine Online-Quellen, AV-Medien usw usf.

    So sehr ich (pdf)LaTeX für seine Strukturiertheit und typografisch schöne Ausgabe schätze, so wenig habe ich eigentlich für BibTeX übrig. Klar, es funktioniert für die meisten Fälle ganz okay, aber – ganz im Geiste von LaTeX – wenn man es einmal verwendet, ist es schwierig im Nachhinein nachzupfuschen, eine Zitation doch von Hand einzufügen und dergleichen.

    Dabei gibt es ja auch innerhalb der TeX-Welt Alternativen, die brauchbarste erscheint mir biblatex, dass BibTeX weitgehend, in Kombination mit biber sogar vollständig ersetzt. Über die Unterstützung von Literaturverwaltungsprogrammen dafür kann ich leider nichts sagen.

    Tatsächlich bin ich bisher noch nie mit der BibTeX-Ausgabe eines Lit.verwaltungsprogramm in dem Maße zufrieden gewesen, dass ich es nicht hätte nachbearbeiten müssen. Mal (zotero) mussten fehlerverursachende Sonderzeichen raus, mal (Mendeley) fehlten Angaben oder waren im falschen Dokumenttyp eingebettet.

    Dabei muss ich sagen, dass ich Mendeleys Möglichkeit, eine Collection 1:1 und jederzeit synchron zu halten, sehr schätze. Wenn man sich an den “Literatur einarbeiten”-“BibTeX-Datei suchen und ersetzen”-“Bibliograhie neu kompilieren”-Zyklus gewöhnt hat, geht das beinahe komfortabel.

    Eine Möglichkeit, die ich für Massenbearbeitung von Literaturangaben nur empfehlen kann, ist bibutils. Das verwendet nativ MODS (meiner Meinung nach ohnehin das durchdachteste und bestdokumentierteste bibliographische Metadatenformat überhaupt) und kann von/nach BibTeX, RIS, MODS, Endnote konvertieren. Das funktioniert meistens besser als die nativen BibTeX-Exportfunktionen der Literaturverwaltungsprogramme, die ich bisher verwendet habe.

  2. TempelB sagt:

    Der Einschätzung, dass BibTeX in seiner Reinform antiquiert ist, stimme ich zu. Inzwischen gibt es aber mit Biber (http://biblatex-biber.sourceforge.net/) und Biblatex (http://www.ctan.org/tex-archive/help/Catalogue/entries/biblatex.html) eine Alternative, die zum einen die Kontrolle über den Zitierstil mit LaTeX-Befehlen ermöglicht und zum anderen UTF-8 unterstützt. Damit lassen sich insbesondere die erhöhten Anforderungen geisteswissenschaftlicher Zitierkonventionen nun auch mit LaTeX leichter erfüllen.

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